Was ist Nachtstrom?

Nachtstrom bezeichnet einen Stromtarif, bei dem der Strom zu bestimmten, vertraglich festgelegten Zeiten günstiger angeboten wird als zu anderen Zeiten. Häufig handelt es sich dabei um einen klassischen HT-/NT-Tarif (Hochtarif/Niedertarif). Der günstigere Niedertarif (NT) wird insbesondere für Zeiten angeboten, in denen der Stromverbrauch geringer ist. Die konkreten Tarifzeiten werden jedoch nicht allgemein durch eine einheitliche „Nachtzeit“ festgelegt, sondern hängen vom jeweiligen Tarif und insbesondere vom zuständigen Netzbetreiber ab.

Nachtstrom beziehungsweise zeitabhängige Stromtarife werden traditionell vor allem für Nachtspeicherheizungen und andere größere, zeitlich steuerbare Stromverbraucher eingesetzt. Auch für das zeitliche Verschieben von Verbrauch, beispielsweise beim Laden eines Elektrofahrzeugs, können zeitabhängige oder dynamische Stromtarife interessant sein.

Was ist ein Tag- und Nachtstromtarif?

Ein Tag- und Nachtstromtarif ist ein Stromtarif mit unterschiedlichen Preisen für verschiedene Tageszeiten. Häufig wird zwischen Hochtarif (HT) und Niedertarif (NT) unterschieden.

Während des HT-Zeitraums wird der Strom zum höheren Arbeitspreis abgerechnet. Im NT-Zeitraum gilt ein günstigerer Arbeitspreis. Die konkreten Schalt- beziehungsweise Zählzeiten legt der zuständige Netzbetreiber fest. Häufig liegt der NT-Zeitraum in den Nachtstunden, er kann je nach Netzgebiet jedoch anders ausgestaltet sein.

Wichtig: „Nachtstrom“ bedeutet daher nicht automatisch, dass zwischen beispielsweise 22 und 6 Uhr überall derselbe günstige Strompreis gilt. Entscheidend sind die Bedingungen des jeweiligen Stromtarifs und die beim Netzbetreiber hinterlegten Zählzeiten.

Wie funktioniert ein HT-/NT-Tarif?

Bei einem klassischen Tarif mit zwei Zeitzonen wird der Stromverbrauch abhängig von der Uhrzeit unterschiedlichen Tarifstufen zugeordnet. Dafür wird ein Zweitarifzähler beziehungsweise ein Zähler mit zwei Zählwerken verwendet.

Ein Zählwerk erfasst den Verbrauch während der HT-Zeiten, das andere während der NT-Zeiten. Der Stromanbieter kann die beiden Verbrauchsmengen anschließend mit den jeweils vereinbarten Preisen abrechnen.

Ein klassischer HT-/NT-Tarif ist damit von einem dynamischen Stromtarif zu unterscheiden. Bei einem dynamischen Tarif richtet sich der Arbeitspreis nach den Preisen an den Strombörsen und kann sich im Tagesverlauf mehrfach verändern. Für einen dynamischen Stromtarif wird ein intelligentes Messsystem benötigt.

Nachtstrom für Nachtspeicherheizungen

Nachtspeicherheizungen gehören zu den klassischen Einsatzbereichen von Nacht- beziehungsweise Heizstrom. Die Heizungen können elektrische Energie zu den dafür vorgesehenen Ladezeiten aufnehmen und als Wärme speichern.

Ob sich ein spezieller Nacht- oder Heizstromtarif tatsächlich lohnt, hängt jedoch vom individuellen Verbrauch, dem jeweiligen Messkonzept und den Tarifbedingungen ab. Ein günstiger NT-Arbeitspreis allein reicht deshalb nicht aus, um einen Tarif als günstig einzustufen.

Entscheidend sind unter anderem:

  • der jährliche Stromverbrauch der Heizung,
  • der Anteil des Verbrauchs im HT- und NT-Zeitraum,
  • der Arbeitspreis für HT und NT,
  • der Grundpreis,
  • die Kosten für den Messstellenbetrieb,
  • die Art der Messung und
  • mögliche Besonderheiten bei der Abrechnung.
💡 Nachtstrom ist nicht automatisch günstiger: Ob sich ein HT-/NT- oder Heizstromtarif lohnt, sollte immer anhand des gesamten Jahrespreises und des tatsächlichen Verbrauchsprofils berechnet werden.

Welche Nachtstromzeiten gelten?

Die Bezeichnung „Nachtstrom“ kann irreführend sein, wenn darunter pauschal beispielsweise die Zeit von 22 bis 6 Uhr verstanden wird.

Bei klassischen HT-/NT-Tarifen werden die konkreten Zählzeiten vom zuständigen Netzbetreiber festgelegt. Häufig liegt der Niedertarif in den Nachtstunden, die Zeiten können sich jedoch regional unterscheiden.

Vor einem Tarifwechsel sollte deshalb geprüft werden, welche HT- und NT-Zeiten an der eigenen Verbrauchsstelle tatsächlich gelten.

Zweitarifzähler: Zwei Zählwerke für HT und NT

Für einen klassischen Stromtarif mit zwei unterschiedlichen Zeitzonen ist ein Zweitarifzähler erforderlich. Er verfügt über zwei Zählwerke beziehungsweise Register, mit denen der Verbrauch getrennt nach HT und NT erfasst wird.

Bei modernen Messeinrichtungen und intelligenten Messsystemen erfolgt die Erfassung digital. Welche technische Lösung eingesetzt wird, hängt von der Verbrauchsstelle, dem Netzbetreiber und dem gewählten Tarif ab.

Wichtig: Nicht jeder Tarif, bei dem sich der Strompreis im Tagesverlauf verändert, ist ein klassischer Nachtstromtarif. Insbesondere dynamische Stromtarife funktionieren nach einem anderen Prinzip und benötigen ein intelligentes Messsystem.

HT und NT: Warum ist Nachtstrom günstiger?

Bei einem klassischen HT-/NT-Tarif ist der NT-Preis vertraglich als günstigerer Preis für bestimmte Zeiträume festgelegt. Historisch wurden solche Tarife insbesondere genutzt, um Stromverbrauch in Zeiten mit geringerer Nachfrage zu verlagern.

Heute sollte man jedoch nicht pauschal davon ausgehen, dass nachts der Strom immer günstiger oder das Stromnetz grundsätzlich weniger belastet ist. Die tatsächlichen Preise eines HT-/NT-Tarifs werden durch den jeweiligen Anbieter und die Tarifgestaltung bestimmt.

Wer seinen Verbrauch zeitlich verschieben möchte, sollte deshalb nicht nur auf die Uhrzeit, sondern auf die konkreten Tarifbedingungen achten.

Nachtstrom, Heizstrom und Wärmepumpenstrom – wo liegt der Unterschied?

Die Begriffe Nachtstrom, Heizstrom und Wärmepumpenstrom werden im Alltag teilweise synonym verwendet. Technisch und tariflich handelt es sich jedoch nicht zwingend um dasselbe.

Nachtstrom bezeichnet in der Regel einen zeitabhängigen Stromtarif mit unterschiedlichen Preisen für verschiedene Tageszeiten.

Heizstrom ist Strom, der für elektrische Heizungen beziehungsweise bestimmte Heizsysteme angeboten wird. Dazu können beispielsweise Nachtspeicherheizungen gehören.

Wärmepumpenstrom bezeichnet spezielle Stromangebote für Wärmepumpen. Hier können neben dem eigentlichen Stromtarif auch reduzierte Netzentgelte nach den Regelungen des § 14a EnWG eine Rolle spielen.

Auch für andere steuerbare Verbrauchseinrichtungen, beispielsweise bestimmte Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge, gelten inzwischen besondere Regelungen zu reduzierten beziehungsweise zeitvariablen Netzentgelten.

Nachtspeicherheizung: gemeinsame oder getrennte Messung?

Bei einer Nachtspeicherheizung ist für den Tarifvergleich besonders wichtig, wie der Heizstrom gemessen wird.

Bei einer getrennten Messung besitzt die Heizung einen eigenen Stromzähler. Der Haushaltsstrom und der Heizstrom können dadurch getrennt abgerechnet werden. Je nach Ausstattung kann auch der Heizstromzähler über HT- und NT-Zählwerke verfügen.

Bei einer gemeinsamen Messung werden Haushaltsstrom und Heizstrom dagegen über denselben Zähler erfasst. Bei einem Zweitarifzähler wird der gesamte Verbrauch abhängig von der jeweiligen Uhrzeit dem HT- oder NT-Zählwerk zugeordnet.

Das kann beim Tarifvergleich wichtig sein: Bei gemeinsamer Messung können Anbieter mit sogenannten Ausgleichsmengen arbeiten. Dabei wird berücksichtigt, dass während der NT-Zeit nicht ausschließlich die Heizung Strom verbraucht. Je nach Anbieter und Messkonzept kann dies die tatsächlich zu zahlenden Kosten erhöhen.

Wer einen neuen Tarif für eine Nachtspeicherheizung sucht, sollte deshalb vor dem Vergleich klären, ob eine gemeinsame oder getrennte Messung vorliegt und welche Bedingungen der jeweilige Anbieter für die Abrechnung verwendet.

Nachtstrom und Elektroauto

Ein günstiger Tarif für die Nacht kann grundsätzlich interessant sein, wenn ein Elektroauto überwiegend zu Zeiten mit einem niedrigeren Arbeitspreis geladen wird.

Allerdings ist ein klassischer Nachtstromtarif nicht die einzige Möglichkeit. Je nach Verbrauchssituation können auch zeitvariable oder dynamische Stromtarife interessant sein.

Bei einem dynamischen Stromtarif orientiert sich der Arbeitspreis am Börsenstrompreis und kann sich beispielsweise in kurzen Zeitintervallen verändern. Dadurch kann Strom nicht nur nachts, sondern auch zu anderen Zeiten günstig sein.

Für dynamische Stromtarife ist ein intelligentes Messsystem erforderlich.

Zeitvariable Netzentgelte nach § 14a EnWG

Für bestimmte steuerbare Verbrauchseinrichtungen gibt es neben dem Stromtarif zusätzliche Regelungen zu den Netzentgelten.

Dazu können beispielsweise Wärmepumpen und nicht öffentlich zugängliche Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge gehören. Unter den Voraussetzungen des § 14a EnWG können Betreiber von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen eine Reduzierung der Netzentgelte erhalten.

Seit April 2025 gibt es außerdem mit Modul 3 ein zeitvariables Netzentgelt. Dabei werden abhängig von der Tageszeit unterschiedliche Netzentgeltstufen angeboten. Voraussetzung für die Nutzung von Modul 3 ist unter anderem ein intelligentes Messsystem.

Diese zeitvariablen Netzentgelte sind nicht dasselbe wie ein klassischer Nachtstromtarif. Sie betreffen den Netzentgeltanteil des Strompreises und nicht automatisch den gesamten Arbeitspreis des Stromliefervertrags.

Vorteile eines Nachtstromtarifs

  • Günstigerer Arbeitspreis zu bestimmten Zeiten: Ein HT-/NT-Tarif kann attraktiv sein, wenn ein großer Teil des Verbrauchs in den NT-Zeitraum fällt.
  • Für Nachtspeicherheizungen geeignet: Klassische HT-/NT-Tarife wurden unter anderem für elektrische Speicherheizungen entwickelt.
  • Verbrauch kann gezielt verlagert werden: Bei einem passenden Tarif können flexible Verbraucher zu günstigeren Zeiten betrieben werden.
  • Planbare Tarifzeiten: Bei einem klassischen HT-/NT-Tarif stehen die jeweiligen Zeitfenster und Preise des Tarifs fest.
  • Tarifwechsel möglich: Auch bei bestehender Nachtspeicherheizung kann sich ein Vergleich verschiedener Heiz- oder Nachtstromtarife lohnen.

Nachteile und mögliche Fallstricke

  • Nicht automatisch günstiger: Ein niedriger NT-Preis bedeutet nicht zwangsläufig einen niedrigen Gesamtpreis. Grundpreis, HT-Preis, Messkosten und Verbrauchsverteilung müssen berücksichtigt werden.
  • Feste Tarifzeiten: Bei einem klassischen HT-/NT-Tarif kann der Verbraucher nur dann vom günstigeren Preis profitieren, wenn der Verbrauch in den entsprechenden NT-Zeitraum fällt.
  • Unterschiedliche Bedingungen: Preise, Tarifzeiten und Vertragsbedingungen unterscheiden sich je nach Anbieter und Verbrauchsstelle.
  • Messkonzept beachten: Bei Nachtspeicherheizungen kann die gemeinsame oder getrennte Messung einen erheblichen Einfluss auf den Tarifvergleich haben.
  • Ausgleichsmengen möglich: Bei gemeinsamer Messung können bestimmte Anbieter Ausgleichsmengen berücksichtigen, die den tatsächlichen Preis erhöhen können.
  • Alternative Tarife prüfen: Je nach Verbrauch können ein Heizstromtarif, Wärmepumpenstrom, ein zeitvariabler Tarif oder ein dynamischer Stromtarif günstiger beziehungsweise geeigneter sein.

Für wen lohnt sich Nachtstrom?

Ein klassischer Nachtstrom- beziehungsweise HT-/NT-Tarif kann insbesondere dann interessant sein, wenn ein großer und planbarer Teil des Stromverbrauchs in den günstigeren NT-Zeitraum fällt.

Das kann beispielsweise bei einer Nachtspeicherheizung der Fall sein. Auch andere zeitlich verschiebbare Verbraucher können von einem zeitabhängigen Tarif profitieren.

Für einen normalen Haushalt mit vergleichsweise gleichmäßigem Stromverbrauch ist ein klassischer HT-/NT-Tarif dagegen nicht automatisch günstiger als ein guter Eintarifstromvertrag.

Entscheidend ist immer der tatsächliche Jahresverbrauch und nicht allein der günstigere NT-Preis.

Nachtstrom oder dynamischer Stromtarif?

Ein klassischer Nachtstromtarif und ein dynamischer Stromtarif verfolgen unterschiedliche Ansätze.

Beim klassischen HT-/NT-Tarif gibt es festgelegte Zeiträume mit unterschiedlichen Preisen. Der günstige NT-Preis gilt beispielsweise während bestimmter Nachtstunden.

Beim dynamischen Stromtarif verändert sich der Arbeitspreis dagegen abhängig vom Börsenstrompreis. Günstige Strompreise können daher zu unterschiedlichen Tageszeiten auftreten und müssen nicht auf die Nacht beschränkt sein.

Ein dynamischer Stromtarif kann insbesondere für Haushalte mit flexiblen Verbrauchern interessant sein. Dazu können beispielsweise ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder ein Batteriespeicher gehören.

Fazit: Nachtstrom kann sich lohnen – aber nicht pauschal

Nachtstrom beziehungsweise ein klassischer HT-/NT-Tarif kann für bestimmte Verbraucher eine interessante Möglichkeit sein, Stromkosten zu reduzieren. Besonders bei Nachtspeicherheizungen kann ein günstiger Heizstromtarif einen deutlichen Unterschied machen.

Ob sich ein solcher Tarif tatsächlich lohnt, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab. Neben dem NT-Preis sollten auch der HT-Preis, der Grundpreis, Messkosten, die tatsächlichen HT-/NT-Verbrauchsmengen und bei Nachtspeicherheizungen das Messkonzept berücksichtigt werden.

Auch moderne Alternativen sollten in den Vergleich einbezogen werden. Dazu gehören beispielsweise Wärmepumpenstrom, zeitvariable Netzentgelte und dynamische Stromtarife.

Vor einem Wechsel sollten Sie deshalb Ihren tatsächlichen Jahresverbrauch prüfen und die Gesamtkosten verschiedener Tarife vergleichen. Bei einer Nachtspeicherheizung ist zusätzlich wichtig zu wissen, ob der Heizstrom gemeinsam mit dem Haushaltsstrom oder über einen separaten Zähler gemessen wird.

Passende Angebote können Sie mit unserem Stromvergleich vergleichen.

  • Nachtspeicherheizung: Vergleichen Sie gezielt passende Heizstromtarife und achten Sie auf Ihr Messkonzept.
  • Wärmepumpe: Informieren Sie sich über Wärmepumpenstrom und die möglichen Netzentgeltreduzierungen.
  • Flexibler Stromverbrauch: Prüfen Sie neben klassischen HT-/NT-Tarifen auch zeitvariable und dynamische Stromtarife.
Letztes Update am: 5. Oktober 2026